Warum mein Insta-MOOC ein Fail war.

Mensch, was war ich im April motiviert. Da hatte ich die Idee zu einem MOOC (Massive Open Online Course) via Instagram, was ich an dieser Stelle auch beschrieben hatte.

Hier die Kurzform: Ich habe ein Seminar, das ich normalerweise mit Studierenden der Uni Tübingen mache, als kohortenbasierten Kurs mit einer kleinen Gruppe von 9 motivierten Frauen durchgeführt. Sie haben in der Zeit ihre Konzepte für ihr Passion Project / digitales Projekt erstellt oder überarbeitet, ihre Projekte auf die Straße gebracht und Theorie-Input über Sachen wir Nutzertypen im Web, digitale Kompetenzen, Personal Branding und die Creator Economy gelernt. Die Inhalte dieses Kurses habe ich zeitversetzt im Podcast und auf dem Instagram-Account @heulnichtmachdoch veröffentlicht, so dass alle Interessierten daran teilhaben und ebenfalls an ihrem Projekt werkeln können.

Ich wollte damit mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Das Projekt Heul nicht, mach doch! beenden, eine letzte Runde in sich geschlossenen Content produzieren und das, was ich sonst mit Studis im Uni-Kontext mache, in die Öffentlichkeit bringen.

Einen Monat später war ich immernoch motiviert (siehe: how it’s going), aber ab Juni ging es dann bergab.

Ich bin immernoch zu 100% überzeugt von dem Grundprinzip, Inhalte, Ideen, Methoden etc in Form von Content möglichst vielen Leuten zur Verfügung zu stellen. Nur das wie ist das Problem.

Im Mai war ich noch super motiviert und habe jede Menge Feed-Posts, Reels, Stories und IGTVs produziert. Im Juni war dann bei meiner „richtigen Arbeit“ mehr los und das Projekt ist hintenübergefallen. Keine aufwändigen IGTVs und Reels mehr, nur noch Feed-Posts.

Ich bin ganz ehrlich: ich hatte nicht nur wenig(er) Zeit, sondern einfach keinen Bock.

Wenn du Bock auf etwas hast, dann findest du Zeit dafür. Wenn du keinen Bock auf etwas hast, dann machst du es nicht auch wenn du alle Zeit der Welt hättest. Wow, ✨ Kalendersprüche mit Kato! ✨

Ich wollte den Insta-MOOC aber auch nicht abbrechen, deswegen habe ich es halbherzig durchgezogen. Ich weiß nicht, ob das besser oder schlechter ist als es einfach abzubrechen tbh. Netterweise habe ich sogar an einem Punkt, wo ich gar keinen Bock mehr hatte, eine nette Nachricht bekommen: Die Person schrieb, dass sie gerne beim MOOC mitmacht und sie dadurch neue Ideen für ihr Projekt bekommen hat. Damit hätte ich ehrlich gesagt gar nicht gerechnet.

Eigentlich wollte ich ja gerne eine Community aktivieren, bei der zusätzlich zu den 9 Leuten im harten Kern nochmal 10, 15 oder 20 Leute via Insta mitmachen. Übrigens, zum Begriff Community: Damit ist gemeint, dass du nicht nur eine Audience hast, die dir zuhört, sondern die sich auch untereinander füreinander interessiert und miteinander kommuniziert.

Sprich, ich hätte es richtig cool gefunden, eine kleine #abschlussklasse-Community auf die Beine zu stellen, die sich gegenseitig als Buddies, mit Coworking, Austausch etc unterstützt. Interaktive Instagram-Stories. User-generated-content. Sowas halt. Aber das passiert natürlich nicht von alleine, sondern da muss ich meinen Teil leisten, um das ins Rollen zu bringen.

Bei ein paar Postings hat es auch funktioniert, dass Leute kommentieren oder etwas in ihre Story teilen, aber ich hätte das viel mehr steuern und anfeuern müssen.

Während der Insta-MOOC-Zeit sind einige Leute entfolgt (was total normal ist und womit ich gerechnet hatte, schließlich war der Account lange inaktiv und ist dann mit einem neuen Fokus zurückgekommen), aber – was mich gefreut hat – auch neue Leute dazugekommen.

Ich glaube einer der Gründe, warum ich nicht mit vollem Herzblut dabei war, war dass ich ja selber in meinen Workshops immer predige, dass man nicht ausschließlich für Instagram produzieren soll. Dieser Content verliert nunmal cnach kurzer Zeit an Relevanz und ist nicht so langlebig. (Im Englischen sagt man dazu shelf-life.) In meinem Hinterkopf schwirrte immer die Idee, den Heul nicht, mach doch! Content in eine Art von Buch oder Archiv-Webseite zu bringen. Deswegen hat sich der Instagram-Account jedoch wieder wie so ein Zwischending angefühlt.

Ein weiterer großer Faktor, weshalb sich der MOOC wie eine Bürde anfühlt, ist der große Aufwand in der Erstellung der Beiträge. Es fehlen noch ein paar Post und die bringe ich jetzt auch zähneknirschend zu Ende – auch wenn ich mich wirklich überwinden muss und keinen Bock habe. Ich hätte dafür meine Werkstudentin Leonie besser einbinden sollen.

Das war schwierig, weil es kein richtiges Briefing gehabt. Der MOOC war ja nicht 100% durchgeplant, sondern ich habe ihn relativ spontan gestaltet, damit er immer anderthalb Wochen versetzt zu meinen Uni-Sitzungen läuft.

Ich hatte daher kein Skript oder einen genauen Contentplan für die komplette Laufzeit, sondern ich musste gucken, wie die Sitzungen des harten Kerns laufen. (Meine Uni-Sitzungen dienten quasi nur als Vorbereitung für die Abschlussklasse-Sitzungen. Aufgenommen habe ich nie aus den Uni-Sitzungen, sondern immer nur mit dem sogenannten harten Kern, also den 9 Frauen, mit denen ich dieb Sitzungen alle zwei Wochen gemacht habe.)

Ursprünglich wollte ich Leonie irgendwie in die Produktion miteinbinden, aber dann habe ich den Anfängerfehler schlechthin beim Delegieren gemacht: „Bevor ich ein Briefing für eine andere Person erstelle, mache ich es einfach selber!“ – und das ist natürlich Quatsch.

(Vor allem weil Leonie eigentlich immer Spaß am Grafiken erstellen und auch ein Auge dafür hat… )

Ich hätte zwei Möglichkeiten gehabt:

  1. Ich briefe Leonie zum Projekt allgemein und lasse sie dann viel machen (Aufzeichnungen nachhören und daraus Long Form Content = Podcastfolgen schneiden, kurze Texte schreiben, Insta-Refaktionsplan, Insta-Grafiken und Captions…)
  2. Ich mache den Long Form Content und den Redaktionsplan, die Umsetzung des Microcontents überlasse ich ihr.

(Möglichkeit 1 war unrealistisch, weil bei den Diskussionen in der Abschlussklasse zum Teil Sachen dabei waren, die ich rausschneiden wollte und Leonie da nicht genau genug zu hätte briefen können und weil ich teilweise eh noch Einleitungen/Schlussworte/Zwischenbemerkungen aufnehmen und reinschneiden musste… Aber 2 wäre möglich gewesen!)

Ich lese gerade das Buch „Write Useful Books“ von Rob Fitzpatrick. In einem Abschnitt ging es um die verschiedenen Motivationen, ein Buch zu schreiben. Einer davon ist Closure, also das Abschließen mit etwas und das fühle ich total. Ich arbeite jetzt demnächst noch an der Archivseite und dann freue mich drauf, es hinter mir zu haben. Der kohortenbasierte Kurs (aka der harte Kern mit den 9 Leuten) hat übrigens wunderbar geklappt! Denn mit den festen Terminen und den konkreten Teilnehmer:innen habe ich mir auch die Zeit genommen, die insgesamt 7 Sitzungen vorzubereiten und durchzuführen. Es ist schon etwas anderes, ob man mit konkreten Leuten arbeitet, die man kennt und deren Fortschritt man sieht, oder ob man so ins Internet rein postet in der Hoffnung dass es irgendjemand interessiert und derjenige nicht einfach nur aus Reflex beim Vorbeiscrollen ein Herzchen gibt.

(Übrigens spricht das auch für meine These, dass herkömmliche Selbstlern-Onlinekurse tot sind und kohortenbasierte Kurse die Zukunft, aber mehr dazu an anderer Stelle…)

Anyways. Falls du bis hierher gelesen UND den Insta-MOOC mehr oder weniger aktiv verfolgt hast, dann schreib mir doch mal, ob du was draus mitnehmen konntest. Das fänd ich sehr nett. Merci und bis zur nächsten bekloppten Idee.

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Comment (1)

  1. Pinkback: Wie ich ein digitales Zine in Notion erstellt hab. - jenni.works

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