Onlinekurse sind tot, es lebe das AI-Tool (?)

Boah, das hier aufzuschreiben ist richtig schwierig… Weil ich in den letzten Tagen schon mit diversen Leuten (sogar meiner Physiotherapeutin, LOL) darüber geredet hab. In meinem Kopf ist jetzt schon „alles gesagt“, aberrrr es nützt ja nichts, es muss auch hier festgehalten werden!

Okay, worum geht’s? Nun, der Titel verrät schon meine These: Onlinekurse sind tot, es lebe das AI-Tool. Mit Fragezeichen. Denn sicher bin ich mir ganz sicher nicht.

Fangen wir vorne an: Onlinekurse sind tot. Sind wir uns da einig? Was sagen die fellow Onlinekurspublisher hier im Raum? Ich glaube: AI killed the course. Die Leute sind SO ungeduldig geworden, sie wollen sich nicht mehr hinsetzen und erst ein Kursvideo anschauen oder ein Workbook durcharbeiten. Von ChatGPT und Claude sind wir es gewohnt, dass wir nur eine Frage oder eine halbgare Idee reinwerfen müssen und ein paar Sekunden später können wir zugucken, wie eine befriedigende Antwort generiert wird.

Was mich persönlich an AI fasziniert: wie intensiv, schnell und unkritisch die Leute (auch tech-unaffine Boomer) das adaptieren. Als Social-Media-Beraterin, die meist mit Ehrenamtlichen arbeitet, musste ich mir 10 Jahre lang ein Bein ausreißen, um die Leute dazu zu bringen, die Vorteile von Socal Media zu sehen und auszuprobieren. Genau die gleichen Leute, die das jahrelang abgelehnt haben wegen Datenschutz, keine Zeit, zu techy, dies das – sind jetzt die ersten, die KI-generierte Weihnachts- und Ostergrüße an ihre Mails anhängen. *seufz*

Worauf ich hinauswill: Irgendwelche KI-Agenten und komplexere Workflows mag noch den LinkedIn Bros verbehalten sein, aber sehr sehr viele 0 8 15 Internetnutzer haben sich Workflows ala „ich copy-paste diese Anleitung und sage Chatty, dass er das auf meinen Sportverein anwenden soll“ angeeignet.

Und das macht was mit digitalen Infoprodukten.

Ein Trend: Weg vom Kurs, hin zum Tool oder Skill

In den letzten Wochen habe ich bei mehreren Leuten, die ich in der Brance verfolge, eine ähnliche Entwicklung gesehen:

  • Latasha James hat ihre Onlinekurse vom Markt genommen und bietet stattdessen eine App an, die basierend auf ihrem Wissen KI-gestützt ein individuelles Curriculum baut.
  • Auch Vix Meldrew hat aus den Inhalten ihrer Membership eine App gebaut und testet die bald in einer Kohorte.
  • Noah Kagan (bin ja Superfan) bietet einen $5 Skill an, damit dein KI-Tool so redet wie er.

Statt den Leuten Infos vorzusetzen, gibt man ihnen die gleiche oder interaktive Experience die sie beim Chatten mit einer Oberfläche wie ChatGPT, Claude, Gemini haben, nur halt trainiert auf dem eigenen Wissen, den eigenen Methodiken und Co.

Ich glaub, dass das schlau ist, aber auch sehr riskant. Letztes Jahr habe ich überlegt, ob ich mit meinem Microcontent Playbook das Gleiche mache. Damals stand ich gefühlt an dem Scheideweg:

Variante 1: Ich embrace AI und mache aus dem Playbook ein Tool, das du mit Infos fütterst und es spuckt das Playbook als Ergebnis für dich aus.

Variante 2: Ich lehne AI (für Content) ab und bleibe beim „Ich bring dir im Kurs bei wie’s geht und du denkst bitte selber“-Weg.

Spoiler: Ich hab mich für Variante 2 entschieden und merke es an den ausbleibenden Sales 💀

Tool = Risiko

Ich hab ja oben geschrieben: Das ist schlau, aber riskant. Lasst uns über die Gefahren sprechen.

Risiko 1: Du baust deine Infrastruktur auf fremdem Land

Wenn ich so ein Tool baue, mache ich mich abhängig von der technischen Infrastruktur dahinter. Ganz plakativ: Wenn ich einen Custom GPT erstelle und verkaufe, muss ich für immer ChatGPT Pro Abonnentin bleiben.

Risiko 2: Du gefährdest deine Marke

Wie sehr kann so ein Tool wirklich wie ich denken und beraten? Wie gut kann ich es trainieren? Wie sehr schadet es meiner Marke, wenn Leute mit AI-Kato chatten und irgendein Schwachsinn bei rauskommt?

Risiko 3: Du lieferst dein Intellektuelles Eigentum auf dem Silbertablett

Bei öffentlichen Inhalten wie diesem Blog können wir davon ausgehen, dass eh alles gecrawlt und verarbeitet wird. Aber was ist mit Dingen wie Kursmaterial, Lehrinhalten, Videotranskripten, Arbeitsblättern, Workbooks, Templates und Co? Die Dinge, die sonst hinter einer Paywall waren. Was passiert damit, wenn wir das mutwillig irgendwo einpflegen, damit daraus „meine“ App gemacht werden kann?

Der Witz  – und damit der Umstand, der Risiko 3 bereits aushebelt: Das wird schon gemacht. Deine Kund:innen packen deine Inhalte schon in KI. Ich hatte es diese Woche literally im Hot Seat Coaching: In der Woche davor hatte ich einer Mentee gesagt, dass sie als nächstes ihren Seminarbeschreibungstext schreiben soll und dass sie dafür 3 Vorlagen im Kursbereich findet. Dieses Mal kam sie mit dem ziemlich guten Text – und gestand, dass sie dafür KI (mit meinen Vorlagen) benutzt hat.

Siehe oben. Solche Workflows bauen sich die Leute, ob wir wollen oder nicht.

Doing it myyyy waaaayyy

Wenn das eh passiert: Dann nehme ich die Herausforderung an und baue lieber selber etwas, mit meinen Erfahrungen, Case Studies und Co im Hintergrund. Ich hab ja schon seit Wochen und Monaten den Drang, mal auf meiner Festplatte aufzuräumen und den ganzen Wust, der im Laufe der Jahre entstanden ist, zu sortieren und entschlacken.

Tatsächlich hab ich sogar schon angefangen… Den Feiertag hab ich mir genommen, um mich der Forschungsfrage „Kann ich aus einem On-Demand-Workshop ein Tool bauen?“ anzunähern. Zwischenfazit: Einfach nur Transkript reinhauen ist nicht. Aber auch ein ermutigendes Zwischenfazit: Die Testerin von Version 3 schrieb: „Sehr cool, waren echt paar gute Impulse dabei“ – was wird sie wohl zu V4, V5 oder V10 sagen?!

Die Vision: Wenn ich es schaffe, etwas zu bauen, was genauso bequem zu bedienen ist wie ChatGPT, aber bessere* (weil auf meinem Training basierende) Ergebnisse liefert – das wär doch geil? (*besser ist natürlich immer subjektiv, gell – ich mein hier Inhalte, bei denen ich nicht cringe sondern denke „jup, so ähnlich hätte ich das auch gesagt“.  

You need a framework, really

Das bringt mich auch wieder zu meinem aktuellen Lieblingsthema Framework. Denn das braucht es, um darauf aufbauend Knowledge Bases und Prompts erstellen zu können. Und das Frameworkthema, zusammen mit Personal Branding, hilft dann ja wieder um unique zu bleiben. Zum Beispiel: Ihr kennt bestimmt die Creatorin, die im Pyjama und mit Sonnenbrille fragt: How long dies it actually take? Dann stellt sie sich den Haushalts-Chaos-Tasks, die sie seit Wochen oder Monaten prokrastiniert hat, und stellt dabei den Timer, um diese Frage zu beantworten. Ihr Name ist übrigens Christi Newrutzen, aber mit Sicherheit hattest du schon das innere Bild vor Augen. Neulich habe ich jemanden gesehen, der das kopiert hat. Ein Dude, natürlich. Er hat gefragt: Wie lange dauert es wirklich? Und sich beim Aufräumen gefilmt. Guess what, die Kommentarspalte war voll mit Kommis, die ihn aufgefordert haben, die Urheberin Christi zu markieren und zu crediten. Seine lahme Ausrede? Er meinte, das wäre ja Teil 2, und in Teil 1 hätte er sie durchaus markiert. *seufz*, Männer!  

Also, worauf ich hier hinaus will: Wenn dein Framework als deins bekannt ist, ist es sicherer vor Plagiaten als wenn du deinen ganzen geilen Scheiß hinter der Paywall hältst.  

Ich teste das jetzt aktuell mit meinem Working-in-Public-Framework und halte euch gern auf dem Laufenden.


Ich blogge auf kommunikato.de über meine Arbeit als Kommunikationsberaterin & freiberufliche Dozentin – und was ich dabei lerne und lehre. Wenn du nichts verpassen willst, abonniere diesen Blog via E-Mail:

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