(War der Entwurftitel dieses Blogposts 6 Learnings aus 6 Wochen und habe ich das Schreiben zwei Wochen lang prokrastiniert?? Vielleicht!)
57 Tage ist mein Duolingo-Streak jetzt alt. Vor 8 Wochen habe ich also gedacht, ich könnte ja auch mal ein paar Worte und Phrasen aufschnappen. Now we’re here und ich kann tolle Sachen wie „Nuori venälainen mies on lahjakas tanssija“ sagen. (Der junge russische Mann ist ein talentierter Tänzer, für alle, die zu faul für Copy-Paste in Google Translate sind.)
Also teile ich jetzt meine nicht ganz so ernstgemeinten Learnings mit euch:
Learning 1: Sprachen lernen als Hobby ist was anderes als Sprachen lernen weil mans muss
Ich hatte in der Schule Englisch, Latein und Spanisch, an der VHS und an der Uni Japanisch, außerdem ein Semester Russisch und ein paar Duolingo-Ausflüge in die skandinavischen Sprachen. Da war natürlich größtenteils eine extrinische Motivation die treibende Kraft. Jetzt mal nicht einen von außen vorgegebenen Grund (du musst mindestens die Note x erreichen, du brauchst diesen Schein für das Modul) zu haben ist eine erfrischende Abwechslung. Vor allem finde ich es super, mir mein Tempo selber einzuteilen. Will ich was Neues lernen, oder lieber etwas Altes wiederholen?
Learning 2: Muss es immer einen „guten“ Grund geben? Ich glaub nicht.
Neben Schule oder Uni sind natürlich die anderen häufigsten Gründe, warum man sich eine neue Sprache aneignen will, Auswanderungspläne, ein neueer Job oder ein:e Partner:in aus dem Land. Wenn das alles nicht der Fall ist – warum sollte man es dann machen? Ich glaube: sich mit einer neuen Sprache zu beschäftigen kann auch einfach ein guter Zeitvertreib sein, nicht nur ein Mittel zum Zweck (Zertifikat, B2-Kenntnisse, neuer Job…). Mein sehr, sehr loses Ziel ist aktuell: Ich würde gern auf Finnisch smalltalken können, wenn mir in meinem Lieblingsspiel mal wieder ein Finne über den Weg läuft. (Ich hab schon erstaunlich viele getroffen, dafür dass dieses Land nicht so viele Einwohner:innen hat! :D)
Learning 3: Perfektion killt den Spaß
Na, wer von euch hat auch einen absurd hohen Anspruch an sich selbst und will neue Dinge im ersten Anlauf sofort perfekt meistern? 🙃👋
Boah, das hat mich *so* blockiert. Nicht einfach was auf Finnisch schreiben, sondern nochmal im Wörterbuch nachgucken: schreibt man jetzt rehellinen oder rehellinnen? Sich nicht trauen, zu sprechen, wenn man einen Muttersprachler an der Strippe hat, weil man ja sicher einen aksentti hat.
Was mir geholfen hat: Ich habe explizit als Ziel benannt: Auch wenn ich einen krassen saksalainen aksentti habe und die Grammatikregeln nicht richtig anwende – solange er versteht, was ich sagen wollte, bin ich happy. Puh, das nimmt Druck raus!
Learning 4: Die Sprache muss Klick machen
Ich war ja damals für ein Auslandspraktikum in Island und hab seitdem Sehnsucht, dorthin zurückzukehren und vielleicht workation-mäßig dort Zeit zu verbringen. Reykjavik? Wunderschöne Stadt! Isländische Menschen? Sehr lustig und herzlich! Aber Isländisch als Sprache? Puuhh… klickt nicht. Reizt mich nicht. Finnisch hingegen? Fühlt sich für mich viel passender und sympathischer an! Gar sexy, aber damit kommen wir zum nächsten Learning:
Learning 5: Popmusik hilft
Dem Finnischlernen sei Dank bin ich auf Erika Vikman gestoßen, die dieses Jahr Suomi beim Eurovision Song Contest mit ihrem Song „Ich komme“ vertritt. Nein, das war nicht übersetzt. Und ja, es geht in ihrem Song um das, was ihr denkt.
Das Erika-Rabbithole hat mich dann zu anderen Songs von ihr gebracht, zu Käärjiäs Cha Cha Cha (Sieger der Herzen 2023) und ihrer Kollab Rouska (noch ein Ohrwurm!!)
Nun, jetzt weiß ich, was Peitsche auf Finnisch heißt (praktisch!) und freue mich, wenn ich in den Songs einzelne Wörter verstehe. Erfolgserlebnisse! (Apropos Erfolg, ich drücke Erika sehr die Daumen – aber sie hat starke Konkurrenz, u.a. von Tommy Cash für Viro und 3 Finnen, die auf Schwedisch über Sauna singen… Ihr seht, im ESC-Rabbithole bin ich auch abgetaucht… 🕳️🐇)
Learning 6: Duolingo ist eher eine Spiel- als eine Lernapp
Wie mit den 57 Streaks schon angedeutet: Ja, ich nutze Duolingo. Ja, ich weiß, dass die App nicht gut ist 😀 Ich bin immer die erste, die darüber meckert, wenn jemand Duo erwähnt. Aber, ja, die App unterhält einen gut. Wenn man sie als Unterhaltungsapp begreift, macht sie ihren Job richtig gut.
Damit wirklich was hängenbleibt, muss man aber selber ran. Vokabellisten, Verbkonjugationen, wichtige Phrasen, Landeskunde – ich schreibe mir hier gerade parallel mein eigenes Duolingo-Lehrwerk mit all den Notizen. Eine neue Sprache zu lernen ist ein fantastischer Grund, ein neues Notizbuch zu beginnen. Die Hälfte des gesamten Duo-Kurses habe ich übrigens schon durch. Danach werde ich mit dem Buch yksi, kaksi, kolme weitermachen. Mega hilfreich ist auch die Seite Uusi Kielemme, die z.B. hier den Erklärbär-Job macht, den Duo auslässt.
Learning 7: Prokrastinieren mit… Lernen?
Ein wunderbarer Nebeneffekt: Wenn ich sonst zum Handy gegriffen und mit einem Spiel wie Sudoku, Solitär oder Snake prokrastiniert hätte, mache ich jetzt stattdessen eine Runde Vokabeltraining. Meine Bildschirmzeit wird also nicht weniger, aber… besser? 😀
Ich hab genrell das Gefühl, dass es für mein Gehirn nicht schlecht sein kann, mich mit Finnisch ein bisschen zu challengen. Vokabeln lernen, Aussprache trainieren.. Wann macht man das sonst im Alltag? Und: es ist witzig, wenn ich beim Spazierengehen Tämä valkoinen koira on kiltti denke.
Learning 8: Drüber reden bringt Connections
Dass ich Fan von Working in Public bin, ist ja nix Neues. Deshalb hab ich das ein oder andere Mal auch mal meine Finnisch-Notizen in der Story geteilt. Und guess what? Jedes Mal ist mir jemand in die DMs geslidet! Halbfinninnen, ein Deutscher mit finnischer Partnerin, eine Deutsche mit Sprachlernleidenschaft… I love it!
Das zeigt wieder: Zeigt euren Prozess, zeigt woran ihr arbeitet, zeigt unfertige Zwischenergebnisse. Gebt den Leuten einen Anknüpfungspunkt und schaut, was sich daraus ergibt. Ich hab zwar schon einen Muttersprachler zum Üben, aber mit den neuen Kontakten hätte ich jetzt weitere Leute, die mir angeboten haben, mein Toddler Finnish an ihnen auszuprobieren. Wie cool ist das?!
Waren hier irgendwelche Tipps dabei, wie man effektiv die Grammatik lernt oder das rollende R hinbekommt? Nein, sorry. Falls irgendjemand über Google hierauf gestoßen ist, bis hierhin gelesen und nach sowas gesucht hat: Olen pahoillani 🙁 Falls irgendjemand überlegt, auch ohne einen „vernünftigen“ Grund eine neue Sprache zu lernen! Go for it!! 🙂
(War der Entwurftitel dieses Blogposts 6 Learnings aus 6 Wochen und habe ich das Schreiben zwei Wochen lang prokrastiniert?? Vielleicht!)
57 Tage ist mein Duolingo-Streak jetzt alt. Vor 8 Wochen habe ich also gedacht, ich könnte ja auch mal ein paar Worte und Phrasen aufschnappen. Now we’re here und ich kann tolle Sachen wie „Nuori venälainen mies on lahjakas tanssija“ sagen. (Der junge russische Mann ist ein talentierter Tänzer, für alle, die zu faul für Copy-Paste in Google Translate sind.)
Also teile ich jetzt meine nicht ganz so ernstgemeinten Learnings mit euch:
Learning 1: Sprachen lernen als Hobby ist was anderes als Sprachen lernen weil mans muss
Ich hatte in der Schule Englisch, Latein und Spanisch, an der VHS und an der Uni Japanisch, außerdem ein Semester Russisch und ein paar Duolingo-Ausflüge in die skandinavischen Sprachen. Da war natürlich größtenteils eine extrinische Motivation die treibende Kraft. Jetzt mal nicht einen von außen vorgegebenen Grund (du musst mindestens die Note x erreichen, du brauchst diesen Schein für das Modul) zu haben ist eine erfrischende Abwechslung. Vor allem finde ich es super, mir mein Tempo selber einzuteilen. Will ich was Neues lernen, oder lieber etwas Altes wiederholen?
Learning 2: Muss es immer einen „guten“ Grund geben? Ich glaub nicht.
Neben Schule oder Uni sind natürlich die anderen häufigsten Gründe, warum man sich eine neue Sprache aneignen will, Auswanderungspläne, ein neueer Job oder ein:e Partner:in aus dem Land. Wenn das alles nicht der Fall ist – warum sollte man es dann machen? Ich glaube: sich mit einer neuen Sprache zu beschäftigen kann auch einfach ein guter Zeitvertreib sein, nicht nur ein Mittel zum Zweck (Zertifikat, B2-Kenntnisse, neuer Job…). Mein sehr, sehr loses Ziel ist aktuell: Ich würde gern auf Finnisch smalltalken können, wenn mir in meinem Lieblingsspiel mal wieder ein Finne über den Weg läuft. (Ich hab schon erstaunlich viele getroffen, dafür dass dieses Land nicht so viele Einwohner:innen hat! :D)
Learning 3: Perfektion killt den Spaß
Na, wer von euch hat auch einen absurd hohen Anspruch an sich selbst und will neue Dinge im ersten Anlauf sofort perfekt meistern? 🙃👋
Boah, das hat mich *so* blockiert. Nicht einfach was auf Finnisch schreiben, sondern nochmal im Wörterbuch nachgucken: schreibt man jetzt rehellinen oder rehellinnen? Sich nicht trauen, zu sprechen, wenn man einen Muttersprachler an der Strippe hat, weil man ja sicher einen aksentti hat.
Was mir geholfen hat: Ich habe explizit als Ziel benannt: Auch wenn ich einen krassen saksalainen aksentti habe und die Grammatikregeln nicht richtig anwende – solange er versteht, was ich sagen wollte, bin ich happy. Puh, das nimmt Druck raus!
Learning 4: Die Sprache muss Klick machen
Ich war ja damals für ein Auslandspraktikum in Island und hab seitdem Sehnsucht, dorthin zurückzukehren und vielleicht workation-mäßig dort Zeit zu verbringen. Reykjavik? Wunderschöne Stadt! Isländische Menschen? Sehr lustig und herzlich! Aber Isländisch als Sprache? Puuhh… klickt nicht. Reizt mich nicht. Finnisch hingegen? Fühlt sich für mich viel passender und sympathischer an! Gar sexy, aber damit kommen wir zum nächsten Learning:
Learning 5: Popmusik hilft
Dem Finnischlernen sei Dank bin ich auf Erika Vikman gestoßen, die dieses Jahr Suomi beim Eurovision Song Contest mit ihrem Song „Ich komme“ vertritt. Nein, das war nicht übersetzt. Und ja, es geht in ihrem Song um das, was ihr denkt.
Boah was hatte ich tagelang einen Ohrwurm von diesem Song! Übrigens, hier ist eine Version mit den Lyrics auf Finnisch und Englisch. Ole hyvä.
Das Erika-Rabbithole hat mich dann zu anderen Songs von ihr gebracht, zu Käärjiäs Cha Cha Cha (Sieger der Herzen 2023) und ihrer Kollab Rouska (noch ein Ohrwurm!!)
Nun, jetzt weiß ich, was Peitsche auf Finnisch heißt (praktisch!) und freue mich, wenn ich in den Songs einzelne Wörter verstehe. Erfolgserlebnisse! (Apropos Erfolg, ich drücke Erika sehr die Daumen – aber sie hat starke Konkurrenz, u.a. von Tommy Cash für Viro und 3 Finnen, die auf Schwedisch über Sauna singen… Ihr seht, im ESC-Rabbithole bin ich auch abgetaucht… 🕳️🐇)
Learning 6: Duolingo ist eher eine Spiel- als eine Lernapp
Wie mit den 57 Streaks schon angedeutet: Ja, ich nutze Duolingo. Ja, ich weiß, dass die App nicht gut ist 😀 Ich bin immer die erste, die darüber meckert, wenn jemand Duo erwähnt. Aber, ja, die App unterhält einen gut. Wenn man sie als Unterhaltungsapp begreift, macht sie ihren Job richtig gut.
Damit wirklich was hängenbleibt, muss man aber selber ran. Vokabellisten, Verbkonjugationen, wichtige Phrasen, Landeskunde – ich schreibe mir hier gerade parallel mein eigenes Duolingo-Lehrwerk mit all den Notizen. Eine neue Sprache zu lernen ist ein fantastischer Grund, ein neues Notizbuch zu beginnen. Die Hälfte des gesamten Duo-Kurses habe ich übrigens schon durch. Danach werde ich mit dem Buch yksi, kaksi, kolme weitermachen. Mega hilfreich ist auch die Seite Uusi Kielemme, die z.B. hier den Erklärbär-Job macht, den Duo auslässt.
Learning 7: Prokrastinieren mit… Lernen?
Ein wunderbarer Nebeneffekt: Wenn ich sonst zum Handy gegriffen und mit einem Spiel wie Sudoku, Solitär oder Snake prokrastiniert hätte, mache ich jetzt stattdessen eine Runde Vokabeltraining. Meine Bildschirmzeit wird also nicht weniger, aber… besser? 😀
Ich hab genrell das Gefühl, dass es für mein Gehirn nicht schlecht sein kann, mich mit Finnisch ein bisschen zu challengen. Vokabeln lernen, Aussprache trainieren.. Wann macht man das sonst im Alltag? Und: es ist witzig, wenn ich beim Spazierengehen Tämä valkoinen koira on kiltti denke.
Learning 8: Drüber reden bringt Connections
Dass ich Fan von Working in Public bin, ist ja nix Neues. Deshalb hab ich das ein oder andere Mal auch mal meine Finnisch-Notizen in der Story geteilt. Und guess what? Jedes Mal ist mir jemand in die DMs geslidet! Halbfinninnen, ein Deutscher mit finnischer Partnerin, eine Deutsche mit Sprachlernleidenschaft… I love it!
Das zeigt wieder: Zeigt euren Prozess, zeigt woran ihr arbeitet, zeigt unfertige Zwischenergebnisse. Gebt den Leuten einen Anknüpfungspunkt und schaut, was sich daraus ergibt. Ich hab zwar schon einen Muttersprachler zum Üben, aber mit den neuen Kontakten hätte ich jetzt weitere Leute, die mir angeboten haben, mein Toddler Finnish an ihnen auszuprobieren. Wie cool ist das?!
Waren hier irgendwelche Tipps dabei, wie man effektiv die Grammatik lernt oder das rollende R hinbekommt? Nein, sorry. Falls irgendjemand über Google hierauf gestoßen ist, bis hierhin gelesen und nach sowas gesucht hat: Olen pahoillani 🙁 Falls irgendjemand überlegt, auch ohne einen „vernünftigen“ Grund eine neue Sprache zu lernen! Go for it!! 🙂
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