Studio Vlogs: Gotta watch them all!

Ich bin obsessed mit Vlogs. Studio Vlogs im speziellen. Eine kleine Definition für alle, die nicht stundenlang auf dem zweiten Monitor YouTube-Videos laufen lassen:

Vlogs sind persönliche Videos, in denen der/die Vlogger*in tagebuchartig Geschichten aus dem Leben oder von einer speziellen Tätigkeit (z.B. Reisen, Sport, Unternehmertum) erzählt. Sie können unregelmäßig oder regelmäßig (z.B. als Weekly oder Daily Vlog) erscheinen. Untergenres sind z.B. Travel Vlogs, Renovation Vlogs oder eben Studio Vlogs. Letztere werden vor allem von Künstler*innen produziert, die dabei zeigen, wie ihre Kunst entsteht oder wie sie selbige vermarkten und verkaufen, z.B. mit einem eigenen Etsy-Shop.

(eigene Definition – don’t @ me)

The Mother of Studio Vlogs

Ich weiß nicht, ob sie eine der ersten Studio Vloggerinnen war – aber sie ist auf jeden Fall eine der wichtigsten und prägendsten für das Genre: Fran Meneses aka Frannerd. Die Illustratorin aus Chile, die zwischendurch in Großbrittanien, Deutschland und jetzt in den USA wohnt, hat ihre Zuschauerschaft durch alle möglichen Stationen mitgenommen: Online-Shop, Graphic Novels, diverse Kollektionen und Launches.

Neben Fran sind meine drei liebsten Studio-Vloggerinnen diese Damen:

  1. Sha’an aka furrylittlepeach ??
  2. Catherine aka Katnipp ??
  3. Annabelle aka CatCreature ??

Wer mich kennt (oder auf Instagram meine Makramee-Desaster verfolgt hat), weiß, dass ich nicht unbedingt sooo künstlerisch und handwerklich begabt bin. ? Warum gucke ich es trotzdem? Weil es Spaß macht! Auch ohne selber eine Illustratorin zu sein, Kinderbücher zu schreiben oder einen Etsyshop mit Stickern zu betreiben, schaue ich den Vloggerinnen gerne beim Gestalten zu, beim kreativ sein, bei den Erfolgen und Misserfolgen, beim Erreichen knapper Deadlines und beim Entspannen bei einem wohlverdienten Ausflug.

Sha’an (@furrylittlepeach) hat uns z.B. durch die Entstehung ihres zweiten Kindebuchs mitgenommen.

Business Vlogs: Show me how you work

Neben Studio Vlogs von Künstler*innen interessieren mich natürlich auch die Business-Vlogs von Leuten, deren Arbeit meiner etwas mehr ähnelt. In meinem Beitrag über meine liebsten Biz-Influencer haben ich deswegen auch Natalie Barbu erwähnt, die in ihren Vlogs regelmäßig über die Gründung ihrer eigenen Agentur spricht.

Apropos Agentur – jetzt kommen wir zum Problem der Business Vlogs: Während Kunst nunmal ein sehr dankbares Videomotiv ist, stehen Vlogger*innen aus anderen Branchen wie Marketing, Social Media oder Entrepreneurship vor der Herausforderung: Wie mache ich einen Business Vlog interessant, wenn meine Arbeit eigentlich daraus besteht, acht Stunden vor dem Computer zu sitzen?

Wenn Fran die Godmother der Studio Vlogs ist, dann ist Gary Vee natürlich der Godfather of Business Vlogs. Mit seiner langjährigen DailyVee-Reihe (gefolgt von Weekly Vee) hat er ordentlich vorgelegt. Zugegeben: Als Chef mehrerer Unternehmen und Agenturen sowie als international reisender Speaker hat er da natürlich interessanteres zu zeigen als eine Solo-Freelancerin.

Was mich zu Latasha James bringt. Die US-Amerikanerin habe ich vor ein paar Wochen auf YouTube entdeckt. Sie ist selbstständig in der Social-Media-Branche unterwegs und hat sich damit genau der oben formulierten Herausforderung angenommen. Business-Vlogs am PC statt im bunten Kreativstudio.

Latasha James vloggt über ihre Arbeit als Social-Media-Beraterin.

Studio Vlogs als kalkulierte Marketingstrategie

Okay, zurück zu unseren Studio-Vlogger*innen. Wenn ich diese abonniere und ihnen jede Woche zusehe, wie sie Sticker gestalten, Layouts setzen und Illustrationen anfertigen, wachsen sie und ihre Produkte mir automatisch ans Herz. Stichwort: Parasoziale Beziehung. Und wenn ich mich mit ihnen verbunden fühle, möchte ich sie natürlich auch durch einen Kauf im Etsy-Shop unterstützen. Aus der Zuschauerschaft wird dann auch die Kundschaft. Studio Vlogging ist also nicht nur eine kreative Art, sich mitzuteilen, sondern eine Marketingmethode.

Der YouTube-Algorithmus ist ja nicht dumm. Der sieht, dass ich auf die Studio Vlogs abfahre, und schlägt mir dementsprechend weitere, kleinere Vlogger*innen vor. Ich will denen jetzt nicht zu nahe treten (und werde auch keine Namen nennen), aber unter diesen kleineren Kanälen sind einige, deren Studio Vlogs jeglicher Leidenschaft entbehren. Es wirkt, als würde „vloggen“ automatisch auf der To-Do-Liste stehen, wenn man einen Etsy-Shop eröffnet, so wie „Steuernummer beantragen“ oder „Versandkartons bestellen“. Während bei anderen Marketingmaßnahmen (z.B. SEO-Optimierung, Social-Media-Accounts, Werbeanzeigen oder Influencer-Marketing) das Produkt im Vordergrund steht, geht es bei Studio Vlogs um die Person und ihre Geschichten. Ob das für alle Künstler*innen der richtige Weg ist? I daut it.

Was war zuerst da – das Geschäftsmodell oder das virale Social-Media-Video?!

Apropos Geschichten. Manche Geschichten sind so schön, dass sie viral gehen. (Vielleicht auch zu schön, um wahr zu sein? idk)

Rob gießt eine Kerze mit Message (Video)

Auf TikTok wurde mir neulich ein Video von einem jungen Mann aus Großbrittanien in den Feed gespült, dessen virales Video zur Gründung seines kleinen Kerzen-Businesses geführt hat. Rob Hoad hat sich eine kreative Methode überlegt, seine Dating-Partnerin zu fragen, ob sie offiziell seine Freundin sein will: Er hat eine Kerze erstellt, die beim Abbrennen die Frage in Form kleiner Buchstabenperlen enthüllt. 7 Millionen Views auf TikTok später wurde er mit Anfragen überflutet und macht jetzt Video über sein Kerzen-Business. Das „How I started my business“-Video hat übrigens whopping 9 Millionen Views.

Rob Hoad ist kein Einzelfall. Auf TikTok (und zwei Wochen später dann als Reupload auf Instagram ?) gibt es zahlreiche Kreative wie der Candle-Dude. Sie upcyclen Second-Hand-Shirts, entwickeln Lipgloss oder erstellen was-weiß-ich-was in ihren Kinderzimmern oder Studi-Apartments. #sidehustle #smallbusiness #youngentrepreneur

Wann es tatsächlich ein viraler Überraschungshit ist, und wann die Businessgründung von langer Hand geplant und auf den Social-Media-Erfolg hingearbeitet wurde, kann ich natürlich nicht sagen. Was ich aber sehe: Solo-Selbstständigkeit mit künstlerischen und handwerklichen Tätigkeiten ist für junge Leute durchaus attraktiv – vielleicht sogar attraktiver als der Unicorn-Startup-100-Million-VC-Funding-Dream. ?

Und hey, solange ihr die Kamera draufhaltet, bin ich am Start und gucke euch gerne beim Arbeiten zu!

von

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